Hallo,

wegen
des großen Leserinteresses an dem, in eFRIEND Nr.
25 gebrachten Beitrag >Werbung für erklärungsbedürftige
Technologiemarken< wollen wir dieses Thema heute fortführen.
Dabei geht es vor allem um das "rationale" Wesen
technischer Produkte und die Frage, warum Technologieprodukte
und technische Dienstleistungen oftmals so schwache Markenwerbung
betreiben und welche Chancen sie dadurch vergeben.
TECHNIK
BEDEUTET WIEGEN, MESSEN, ZÄHLEN, - ALSO NICHT FÜHLEN?
Einer der Gründe für unterentwickelte Markenbildung
liegt in der Natur der Technik selbst. Anders als bei Schokoriegeln
oder Lippenstiften liefern technische Produkte genug konkrete,
numerisch zu erfassende Fakten, die für Kunden relevant
sind und über die man seitenlang berichten kann. Vor
lauter messbarer Produktleistung kommen die Marketingabteilungen
nur selten auf die Idee, dass es noch Kaufgründe jenseits
der Datenblätter geben könnte. Und tatsächlich
hat noch nie jemand einen Kunden erlebt, der in der Lage
war seine unbewussten emotionalen Kaufmotive zu artikulieren.
Unvorstellbar der Chirurg, der als Kaufgrund für ein
Resektoskop der Marke X angibt, dass diese Marke ihm juristische
Sicherheit im Haftpflichtfall vermittelt. Um einem möglichen
Missverständnis gleich vorzubeugen: Technische Informationen
sind wichtig! Aber ein guter Verkäufer wird niemals
nur vom Datenblatt ablesen.
Ist
persönlicher Kundenkontakt ein Ersatz für die Marke?
Ein weiterer Grund warum Industrieprodukte in puncto Markenleistung
oft schwach abschneiden ist die Situation, die wir heutzutage
B2B nennen. Wozu langwierig eine Marke aufbauen, wenn man
seine Investitionsgüter über den direkten persönlichen
Kontakt von Verkäufer zu Einkäufer vertreibt;
denkt man. Aber das macht der Wettbewerbsaußendienst
mit gleichem Erfolg. Was also hebt das eigene Unternehmen
von der Konkurrenz ab? Wenn also der Außendienstmann
durch die Kundentür tritt, muss seine Marke den Kauf
emotional schon vorbereitet haben! Deshalb gewinnt derjenige
Hersteller, der über die technische Information und
über den persönlichen Kontakt hinaus als Marke
im Unterbewusstsein des Kunden vorverkauft und weiterverkauft.
|
 |
| FRAGE
AN TECHNOLOGIE-UNTERNEHMEN: Ist die Werbung für
Ihre Produkte/Dienstleistungen sowohl für Fachleute/Ingenieure
als auch für Nichtfachleute auf Kundenseite gut
verständlich? |
|
unsere Werbung wird von vielen Personen auf Kundenseite
oft nicht verstanden - nach dem Motto: "Was
hat sich der Künstler dabei gedacht?" |
|
|
| wird
in der Regel von allen Personen auf Kundenseite
verstanden |
|
|
|
wird immer von allen Personen auf Kundenseite
verstanden |
|
|
Bewertung:
Praktisch alle Werbungtreibenden sind zuversichtlich,
dass ihre sicherlich oft komplexen technischen
Werbebotschaften verstanden werden und zwar
auch von den meistens mitentscheidenden Nicht-Ingenieuren.
In der Methode der reinen Informationsübermittlung
sieht man deshalb wohl keine Defizite.
Die vollständige Studie ist als pfd-Datei
hier kostenlos erhältlich.
|
| ©
Friends of Brands Advertising GmbH |
|
Bewusst
zählen und unbewusst fühlen.
Der
Kauf jedes Technikproduktes, ganz gleich ob MP3-Player,
Containerlogistik oder schlüsselfertige Raffinerie,
immer ist es eine Entscheidung die rational und zugleich
emotional getroffen wird. Die Dauer der Entscheidung ändert
daran nichts. Und auch nicht die berufliche oder private
Rolle in der jemand kauft. In jedem Fall haben wir es mit
rationalen, produktorientierten Kaufgründen einerseits
und auch unbewussten Entscheidungskriterien wie beispielsweise
>Sicherheitsbedürfnis< oder >Dominanz<
zu tun. Nur weil die emotionalen Kaufmotive unbewusst gesteuert
werden und man deshalb davon kaum etwas mitbekommt, heißt
das nicht, dass es sie nicht gibt. Wir wundern uns nur manchmal,
wenn ein teureres und beispielsweise messbar leistungsschwächeres
Produkt "unlogischerweise" erfolgreich ist. Die
Entscheidung zwischen alternativen technischen Produkten
und Dienstleistungen wird aus einem Mix aus sachlichen Kriterien
und emotionalen Motiven getroffen. Für den neuen Kombi
der E-Klasse hat Mercedes dieses Prinzip zum Konzept seiner
Werbekampagne gemacht; ein 1:1 Anschauungsbeispiel für
unser Thema (siehe auch Kasten rechts).
|
 |
Was
ist die Konsequenz?
Die
Kunst des Verkaufens von Technologiemarken besteht in der
richtigen Verknüpfung zwischen Rationalität und
Emotionalität. (Im Gegensatz zu Affekthandlungen sind
Kaufentscheidungen bewusste Handlungen. Diese Handlungen
werden aus einer mehrfachen Interaktion zwischen der Großhirnrinde
und dem sog. limbischen System des Gehirns getroffen, -
also zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein). Ein
Fehler wäre es übigens, anstelle reiner Informationsvermittlung
nur noch schöne Bilder zu zeigen; in der Hoffnung das
sei sogenannte emotionale Markenkommunikation. Es geht nicht
darum, die Fakteninformation zu ersetzen, sondern darum,
die physischen Primärnutzen durch eine emotionale Markenbildung
zu verstärken! Wobei darauf zu achten ist, dass die
rationale und emotionale Ebene orchestriert werden!