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Hallo,

die
Frage des heutigen Themas klingt unsinnig, gilt doch Kreativität
als das Ein-und-Alles jeder guten Werbung. Allerdings: Eine
starke Marke ist auch das Ergebnis zweier gegensätzlicher
Kräfte. Und diese sind auf der einen Seite konservativ,
bewahrend und andererseits kreativ, veränderlich. Nur
mit diesem kleinen Teilbereich der Markenkommunikation wollen
wir uns heute in aller sportlichen Kürze beschäftigen.
Im übrigen sind die folgenden Überlegungen bewusst
grundsätzlich und differenzieren auch nicht zwischen
Unternehmens- oder Produktmarken, Investitions- oder Konsumgütern.
WIE
KREATIV DARF EINE MARKE WERBEN?
Zur Erinnerung, bei der Marke handelt es sich nicht um das
Logo, sondern um das, was über die jeweilige Marke
in den Gehirnen der Menschen als gemeinsames Etwas gespeichert
ist. Eine der Voraussetzungen für die Bildung eines
starken Marken-"Bildes" ist die wiederholte Wahrnehmung
der immer gleichen Information. Denn in der beiläufigen
Werbung wird nur durch Wiederholung etwas auf Dauer gelernt.
Wir sehen also, dass allein das Funktionieren des Gehirns
uns eine Beständigkeit, geradezu eine gewisse Starrheit
im Verhalten einer Marke vorschreibt. Nun zu einem anderen,
weniger pädagogischen Grund, der für den stabilen,
unveränderbaren Wesenszug einer Marke spricht:
Der
gute Bekannte, der uns noch nie enttäuscht hat.
Ein
starkes, wenn nicht sogar das Haupthandlungsmotiv der Menschen
ist >Sicherheit< (zum Zwecke des Überlebens).
Die Bestätigung sicher zu handeln, bekommt man durch
ein subjektives Gefühl von Sicherheit. Dieses Gefühl
wiederum erlangt der einzelne, wenn er zu etwas Vertrauen
hat. Und Vertrauen hat man vor allem zu etwas, das man kennt
und das noch nie enttäuscht hat. Aber eine neue, andere
Nachricht enttäuscht schon allein dadurch, dass sie
dem bisher Gelernten durch >anders sein< widerspricht.
Eine besonders qualifizierte Bekanntschaft erfordert also
die wiederholte, möglichst unveränderte(!) Wahrnehmung
des Selben; siehe oben.
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Kreativität ist also überflüssig?

Keineswegs.
Um in seiner Evolution erfolgreich zu sein, hat der Mensch
eine weitere Eigenschaft entwickelt: Neugierde. Damit ist
nichts anderes gemeint als Interesse an Neuem (z.B. neuen,
weiter entfernten Futterplätzen). Diese genetisch bedingte
Neugierde lässt uns aufgeschlossen sein gegenüber
Neuem, Verändertem. Eine Marke als lebendes Wesen muss
also eindeutig auch kreativ sein, im Sinne von >Veränderungen
zeigen<. Und zwar zum einen um auf sich aufmerksam zu machen
und zum anderen um beim normalen Produkt-Innovationsprozess
mithalten zu können. (Und auch wenn sich Marken-Kreativität
vor allem in ihrer Massenkommunikation bemerkbar macht, ist
Kreativität nicht zwangsläufig nur ein, von der
Marke gelöster Teil, den wir Werbung nennen. Werbung
ist oft nur der auffälligste, für >Kreativität<
genutzte Teil einer Marke).
Die Veränderung einer Marke lebt also in Koexistenz mit
dem Veränderbaren. Technologiemarken übrigens, haben
mehr noch als andere Unternehmen die Chance, ihre technischen
Innovationen für die natürliche >Lust auf Kreativität<
ihrer Kunden zu nutzen.
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Wirken
Veränderung und Beständigkeit nicht kontraproduktiv?

Auf
jeden Fall dann, wenn bei einer Marke nicht erkannt wurde,
wo sie kreativ sein sollte und wo sie unbedingt unverändert
kommunizieren muss. Natürlich ist der praktische Markenalltag
ein wenig komplexer, als es hier in nur einem Offenbarungssatz
dargestellt werden kann. Schon allein deshalb, weil jede Marke
ein individuelles Wesen ist, und das Kaufverhalten des einen
Marktes sich von dem eines anderen oft deutlich unterscheidet.
Man kommt deshalb nicht drumherum, die Bestandteile einer
Marke (andere nennen es den genetischen Code der Marke) zu
erkennen. Eine der Methoden ist die, von Friends of Brands
entwickelte Marken-Checklist, die eine Marke in 7 Leistungsbausteine
aufteilt und die Qualität der Marke mit insgesamt 24
Fragen zu diesen Leistungsbausteinen prüft. Diese Marken-Checklist
liefert nicht nur eine schonungslose Stärken-Schwächen-Analyse,
sondern hilft mit zu erkunden, in welchen Teilen ihres Wesens
eine Marke >beständig< und in welchen sie >veränderlich<
sein sollte. - Unsere Maxime bei Friends of Brands zu diesem
Thema lautet: Wir erfinden den Markenkern nicht immer neu,
sondern umgeben den Markenkern mit immer neuen Ideen. Hierzu
auch einige Anmerkungen "Anforderungen
an moderne Marken"
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Übrigens:
eFRIEND macht im August Ferien und erscheint mit der nächsten
Ausgabe Anfang September. Bis dahin alles Gute.
Ihr Markenfreund
Jesse Meyer-Arndt

Thema der nächsten Ausgabe von eFRIEND:

Wieviel Öffentlichkeit braucht eine reine B2B-Marke?
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