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Hallo,

heute
geht es wieder um ein reinrassiges Markenthema: So gilt es
unter Markenartiklern als abgemachte Sache, dass eine Marke,
hat sie erst einmal das Stadium der Gattungsmarke erreicht,
ein Leben in sorgenfreier Marktführerschaft verbringt.
Denn anscheinend nichts kann Gattungsmarken wie z.B. Tempo
nach denen der Volksmund eine Produktgattung benennt, in ihrer
Vormachtstellung bedrohen. Wirklich nichts? Die heutige eFRIEND
möchte einen bestimmten Aspekt besprechen, den man als
das Nebel-Problem bezeichnen könnte. Dennoch sind wir
keineswegs der Meinung, dass Marketingleiter von Gattungsmarken
Trauerflor anlegen müssen.
IST
DIE MARKENSITUATION VON GATTUNGSMARKEN WIE Z.B. DIE VON UHU
UND TEMPO WIRKLICH SO BENEIDENSWERT?
"Hast Du mal ein Tempo? - Hol´ mal UHU!" Sätze,
die wie Musik klingen müssen in den Ohren der jeweiligen
Marketingmanager. Die Produktgattung Papiertaschentücher
scheint nur aus der Marke Tempo zu bestehen, die der Flüssigklebstoffe
nur aus der Marke UHU, um einmal bei diesen beiden Beispielen
zu bleiben. Immer wenn es um diese Produktbereiche geht, wird
der Markenname gedacht oder sogar gesprochen und gehört.
Von Verbrauchern! In einer Konsumsituation! Und alles ohne
Werbungskosten! Kann es für die Kommunikation eine Marke
etwas besseres geben? Konkurrenzmarken kommen nicht zu Wort
und verbringen ein Markenleben als Nichtnominierte. Neben
der herrschenden Gattungsmarke scheinen die Stimmen der Wettbewerbermarken
kein Gehör mehr zu finden. - So weit so großartig.
Welche
Marken werden eigentlich zur Gattungsmarke?
Bleiben wir mal bei den Wessi-bekannten Marken UHU und Tempo.
(In Ost-Deutschland ist es z.B. das Spülmittel "fit").
Beide Marken waren nicht nur die ersten Marken innerhalb
ihrer jeweils noch jungen Produktgattung. Sie haben diese
geradezu erfunden. In Ermangelung einer etablierten Bezeichnung
hat der Volksmund einfach das einzig ihm Bekannte, nämlich
den Markennamen zur Bezeichnung der Produktgattung verwendet.
Interessanterweise verdanken Gattungsmarken ihren Status
fast immer einer technischen Neuerung, und fast nie der
Werbung. Die Cigarrettenmarke Marlboro ist da nur die Regel
bestätigende Ausnahme.
Ein Marketinghimmel voller Geigen?
Ist
das Gattungsmarkenleben für alle Zeiten wirklich so
sorgenfrei? Eine der wesentlichen Eigenschaften einer Marke
ist ihre Prägnanz, die im wesentlichen zwei Leistungen
beinhaltet. Zum einen die Markenfigur, die es dem Käufer
erlaubt, die Marke zu identifizieren. Und zum zweiten das
Figur-Grund-Prinzip, das die Marke innerhalb ihrer Umgebung
auffallen lässt.
Wenn nun allerdings Gattungsmarke und Produktgattung in
ihren Leistungsversprechen praktisch identisch sind, worin
unterscheidet der Käufer innerhalb der Leistungsmerkmale
der Produktgattung diese von denen der Marke? - Normalerweise
profiliert sich eine Marke allein schon durch ihre Gegensätze
zu anderen Marken wiederum zum Leistungskatalog der Produktgattung.
Definiert nun eine Gattungsmarke die Gattung (UHU der transparente
Alleskleber im Haushalt definiert die Gattung Alleskleber
im Haushalt), dann entfällt dieser prägnanzbildende
Kontrast.
Sowohl die Markenfigur selbst, als auch die Unterscheidbarkeit
zum Rest der Gattung können bei einer Gattungsmarke,
aus der Sicht der Käufer im Nebel des Produktgattungsbildes
verschwinden. Und zwar dann, wenn die Markenelemente selbstähnlich
denen der Gattung und denen der Wettbewerber sind. Wenn
also die Selbstähnlichkeit einer Marke ihre Prägnanz
steigert, dann kann die Selbstähnlichkeit der Gattungsmarke
mit ihrer Produktgattung ihre Prägnanz zerstören.
Die Kontur der Marke innerhalb der Markengattung löst
sich auf wie die eines Schiffes im Nebel. Fragen sie sich
selbst, ob Ihnen bei der Gattungsmarke Tempo-Taschentücher
noch etwas anderes bewusst ist außer dem Logo auf
blauem Grund?
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Das ist noch nicht alles.

Gattungsmarken
sind nur allzu gern bereit ihre Rolle als Platzhirsch auszuspielen
und neigen dazu, gleich mehrere Produktleistungen anzubieten.
(Tempo ist weich, reißfest, mit Frühlingsduft,
praktisch für unterwegs, durchschnupfsicher, fusselt
nicht in der Waschmaschine und neuerdings schlicht "stark"-
UHU klebt in jedem Falle, kleckst nicht, ist transparent,
geruchsfrei und für alle Werkstoffe geeignet etc. ).
Vor lauter Pflichtgefühl einer Gattungsmarke zur permanenten
Neuerung erkennt der Kunde irgendwann den "Marken-Baum"
im "Gattungs-Wald" nicht mehr - die Marke wird so
allgemeingültig und dadurch profillos, dass die Markenkraft
leidet. Die Marke bildet keinen Kontrast mehr zur Markengattung
die ja aus der Summe der Gattungs-Nutzen besteht. Zum Glück
haben die Marken Tempo und UHU jeweils ein prägnantes
Markenzeichen (Logo). Aber erinnern Sie sich noch an die Logos
der Gattungsmarken Foen oder Selters?
Lautet
die Konsequenz "Gattungsmarke nein danke"?
Sicherlich
nicht. Das Nebel-Problem wird wohl auch nicht dazu führen
die Gattungsmarken auszulisten. Dafür verbuchen Gattungsmarken
auf ihrer Habenseite zu hohe Werte. Aber Gattungsmarken
sollten ein wachsames Auge auf ihre Markenprägnanz
werfen und nicht der Versuchung nachgeben, alle in der
Produktgattung versammelten Verbraucherbedürfnisse
zu befriedigen. - Zu Ihrer Information: Die Marke Tempo
hat im Juni 2003 einen Marktanteil von 20,7 Prozent im
Volumen, und 30,7 Prozent im Wert - Quelle: P&G. Bei
diesen Werten droht also so schnell weder eine Alleinherrschaft
noch die Auslistung in diesem von no-names stark umkämpften
Markt. Im übrigen sind diese Zahlen ein schlagender
Beweis für den hohen Wert dieser Marke.
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Thema
der nächsten Ausgabe von eFRIEND:

Bedeutet Werbung Verführung oder gar Täuschung des
Käufers?
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