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Hallo,

Vorsicht,
unser heutiges Thema ist durchaus provokativ. Immerhin geht
es um die Frage, ob Täuschung und Manipulation in der
Werbung eine ganz natürliche Form der Kommunikation ist.
Trotzdem dieser eNewsletter nur von bescheidenem Umfang ist,
wollen wir versuchen, der werblichen Manipulation ein wenig
von ihrem Schrecken zu nehmen.
IST
TÄUSCHUNG IN DER WERBUNG NICHT EINE GANZ NATÜRLICHE
SACHE?
Spätestens seit Vance Packard mit seinem Buch "Die
geheimen Verführer" eine ganze 68er-Generation munitioniert
hat, beeilen sich Werbeleute von New York bis Frankfurt diese
Sache herunterzuspielen. Wieso eigentlich? Das Spektrum der
Massenkommunikation reicht von der nackten Information über
die erkennbare Überhöhung, der unmerklichen Schönung,
der Unterschlagung schlechter Nachrichten bis zur glatten
Täuschung. Um es gleich ganz klar zu sagen: Werbung beeinflusst
emotional, verführt zum Kauf sogenannter unnützer
Dinge und täuscht in sehr vielen Fällen mehr oder
weniger offensichtlich. Die einen leugnen diese Tatsache,
andere wollen die Methoden am liebsten per Parteitagsbeschluß
verbieten und Dritte leben damit.
Unsere
Existenz ist tatsächlich auch ein Ergebnis von Täuschung.
Blicken wir einige Millionen Jahre zurück in eine Zeit,
als die Evolution des heutigen Menschen ihren Ursprung hatte.
Der so erfolgreiche Prozess der Evolution hat unter anderem
auch mit folgendem, hier plakativ formulierten Sachverhalt
zu tun: Da jedes Wesen überleben will, versucht es
alles, um einerseits nicht gefressen zu werden und alles,
um andererseits mit möglichst wenig Energieeinsatz
möglichst viel zu fressen. Es entwickelt dazu neben
anderen auch Strategien der Täuschung seiner Fressfeinde
und solche zur Überlistung seiner Nahrungsopfer. An
den unten gezeigten Tarnbeispielen aus der Tierwelt sieht
man, wie erfolgreich die Evolution dabei ist.
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Nun
zu unserem Problem. Der Mensch, ein Wesen, das ungewöhnlicherweise
über Bewusstsein verfügt, kommt mit diesem selbstverständlichen
Verhalten der Natur heutzutage nicht ohne weiteres zurecht.
Unsere Moral urteilt: Täuschung beim Kommunizieren
ist nicht korrekt! Nebenbei bemerkt, das Bewusstsein, hier
das bewusste Gefühl der Empörung, verdanken wir
auch der, durch Täuschung erfolgreichen Evolution.
Hätte es vor Millionen von Jahren ein Täuschungs-
oder Fressverbot anderer gegeben, würden wir heute
noch als Einzeller in der Ursuppe schwimmen.
Aber, die reine Biologie hat nicht immer recht.
Kultur
(inkl. ihrer moralischen Werte) ist wohl die am weitesten
entwickelte Form der menschlichen Evolution. Und das könnte
mit einiger Berechtigung die mögliche kulturelle
Erkenntnis >Massenkommunikation soll nicht täuschen<
einschließen. Damit soll deutlich gesagt werden,
dass auch dann, wenn "Täuschung" viele
Millionen Jahre eine ganz natürliche und deshalb
wohl legitime Kommunikationsform war, sie möglicherweise
heute kulturell, im Sinne der Evolution überholt
ist. Möglicherweise ist es geradezu von besonderer
Kultur, wenn wir die entwickelten Waffen der Täuschung
nicht hemmungslos anwenden. - Unglücklicherweise
allerdings hat sich das Großhirn des Menschen, das
zu dieser kulturellen Erkenntnis fähig ist, schneller
entwickelt als derjenige Teil des Gehirns, der das menschliche
Verhalten steuert. Deshalb tut der Mensch so viel von
dem, was er oft nicht tun sollte - obwohl sein Bewusstsein
es besser weiß! Er raucht, er manipuliert und schlimmeres
mehr.
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Massenkommunikation
bedeutet selten Information, meistens Manipulation.

In
der Massenkommunikation gibt es wenige Fälle, in
denen der Sender an einer völlig unverfälschten
Information interessiert ist. Zu diesen Ausnahmen zählen
beispielsweise die amtlichen Kleinanzeigen des Handelsregisters.
In fast allen anderen Fällen gibt es ein mehr oder
weniger stark ausgeprägtes Interesse. Und dafür
werden die verschiedensten Mittel der Manipulation eingesetzt.
Von der legitimen, und vom Empfänger hingenommen
Verschönerung bis zur handfesten Täuschung.
Wie ist das mit der jungen Frau, die ihre Schönheit
durch Make up steigert? Unsere westliche Gesellschaft
akzeptiert diese harmlose Form der Täuschung. Soviel
ist sicher, die liebe heile Welt der Massenkommunikation
gibt es nicht, weil es die liebe heile Welt nicht gibt.
Zum Trost sei gesagt, der Grad der Manipulation hält
sich in Grenzen, denn genauso wie sich die Raffinesse
der Täuschungen weiterentwickelt, verbessern sich
die Fähigkeiten diese zu erkennen.
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In der nächste eFRIEND Anfang Februar geht es in der
Fortsetzung um die verschiedenen Formen der Werbemedien und
ihren unterschiedlichen Grad der Manipulation. Also z.B. ist
Permission Marketing eine Reaktion auf unerwünschte Manipulation?
Lassen Sie mich Ihnen trotzdem möglichst unverfälscht
frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Neues Jahr wünschen.
Ihr Jesse Meyer-Arndt
In eigener Sache
eFRIEND
der eNewsletter für Markenkommunikation & Permission
Marketing wird sich in Zukunft ganz auf das Thema Marken-Kommunikation
konzentrieren. Der Bereich eMail-Marketing ist im Großen
und Ganzen abgehandelt und hat - von der SPAM-Entwicklung
einmal abgesehen - kaum noch nennenswerte Nachrichten
zu vermelden. Und ganz nebenbei: Das Wesen der Marke
ist natürlich ungleich interessanter.
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