 |
|
|
 |
 |
 |
 |
| |
Hallo,

die heutige eFRIEND-Ausgabe nimmt die Wahl
von Benedikt dem XVI. zum Anlaß, das Thema Markentechnik
an einem etwas unkonventionellen Beispiel zu besprechen. Auch
wenn die Katholische Kirche nichts mit der materiellen B2B-Welt
zu schaffen hat, ist diese Institution dennoch die vielleicht
bedeutendste Marke der Welt und gibt somit allein schon Anlaß
genug über sie zu sprechen.
WAS MARKENTECHNIKER VON DER KATHOLISCHEN KIRCHE
LERNEN KÖNNEN.

Die Bilder in Presse und Fernsehen der
letzten Tage haben auch Nicht-Kirchgängern wieder deutlich
in Erinnerung gerufen, welche prägnante formale Gestalt
die institutionelle Marke Katholische Kirche hat. Neben dem
wahrscheinlich ältesten Markenlogo der Welt, dem Kreuz-Christi,
fallen vor allem die Kardinäle in ihren offensiv rot
leuchtenden Gewändern auf. Unverwechselbar auch die Riten
dieser "Unternehmensmarke", die - je ungewöhnlicher
desto merkfähiger - das staunende Publikum beschäftigen:
Wahlzettel, die mit verstellter Schrift ausgefüllt werden
und eine vorindustrielle Form der Massenkommunikation, bei
der die Botschaft mittels unterschiedlich hellem Schornsteinrauch
mitgeteilt wird. Wie vergleichsweise gesichtslos wirkt dagegen
die direkte mitteleuropäischen "Konkurrenz",
die Evangelische Kirche.
Neben all diesen formalen Markenzeichen - und es gäbe
noch einige zu nennen - will sich diese eFRIEND-Ausgabe mit
den inhaltlichen Aspekten der Marke Katholische Kirche befassen,
und zwar der Beziehung zwischen Konservatismus und Reformation.
Was ist das Wesen der Marke Katholische Kirche?

Verständlicherweise werden wir hier
nicht ihre "Markenaussagen" oder "Markenversprechen"
bewerten. Für den Markentechniker ungleich interessanter
ist ohnehin die Beziehung zwischen den bewahrenden Elementen
einer Marke und denjenigen Elementen, die sich zur Anpassung
an die sich wandelnde Umwelt ständig verändern müssen.
Also der Beziehung zwischen Markenstandbein- und Markenspielbein-Elementen,
wie wir sie
bei FRIENDS OF BRANDS nennen. Dieser Widerspruch einer
jeden Marke bewegt im Falle der Katholischen Kirche ja besonders
gerne die Gemüter. So schreibt z.B. Stefan Heuel in einem
Leserbrief in der WELT "...Sondern weil er, wie seine
Vorgänger, klare und verläßliche Bekenntnisse
abgibt. Ganz anders als viele der artig gratulierenden Politiker..."
Die Autorin Mariam Lau dagegen stellt in Spiegel-online geradezu
schockiert die Frage: "Wieso entdecken im Moment so viele
Intellektuelle ihre Begeisterung für einen knallkonservativen
Kleriker?" Nun, soviel ist sicher, diese alte Marke ist
präsent.
Eine Markengestalt, die während ihres rund 2000-jährigen
(!) Bestehens wiedererkennbar geblieben ist, MUSS geradezu
einen besonderen Wert auf das Beständige legen und dem
Veränderlichen reserviert, wenn nicht sogar ablehnend
gegenüber stehen. Die Marke Katholische Kirche steht
also beinahe prototypisch für Konservatismus.
|
 |
Spannung
zwischen Haltung und Reformation.

Das Wesensmuster des Konservatismus bedeutet
strenggenommen eine Reproduktion des immer gleichen. Darin
liegt - wie man bei vielen Marken sieht - eine Stärke
und eine Schwäche. Im übrigen ist es nur logisch,
daß die schon sprichwörtlich konservativen Kardinäle
während der Konklave einen Konservativen aus ihrer Reihe
zum Papst wählten. Einen immerhin schon 78-jährigen
Kardinal, dessen Aufgabe als Präfekt der vatikanischen
Glaubenskongregation, also des Nachfolgeamts der mittelalterlichen
Inquisitions-Institution, die Interpretation und Verteidigung
der katholischen Lehre ist.
Die aktuelle Diskussion ist deshalb auch weniger eine Verwunderung
darüber, sondern die klassische Reibung zwischen Bewahren
und Verändern; oder plakativer gesagt, ein Zusammenstoß
der zeitgenössischen Befindlichkeit (Relativismus) mit
dem (konservativen) Markenkern der Katholischen Kirche. Und
wenn Konservatismus die Markengestalt der Katholische Kirche
ist, dann ist die Wahl von Joseph Ratzinger markentechnisch
betrachtet von geradezu lehrbuchartiger Markenselbstähnlichkeit.
Eine der Stärken einer solchen Marke ist konsequenterweise
ihre Glaubwürdigkeit. Und zwar eine Glaubwürdigkeit
durch Selbstbestätigung. Denn wenn eine Marke heute so
handelt wie schon immer, dann gilt dieses höchst verläßlich
auch für die Zukunft. Eine Gefahr für diese Glaubwürdigkeit-durch-Haltung
besteht allerdings dann, wenn die Stärke des Glaubens
die Gläubigen nicht mehr hält, sondern hindert.
Insofern bleibt es interessant abzuwarten, was Benedikt der
XVI. in Bezug auf das Verweigern der heiligen Sakramente von
Geschiedenen ändert oder zu belassen gedenkt.
Wieviel Evolution verträgt der Konservatismus?
Die gesellschaftliche Welt, vor allem
die der Industrienationen verändert sich rasant. Es
ist nur logisch, daß sich zwischen einer Marke, deren
Wesen das Gestern ist und einer verstärkt durch Individualismus
und vom Puls der Zeit geprägten Welt eine zunehmende
Distanz aufbaut.
Die markentechnische Frage ist also, wieviel Anpassung/Evolution
braucht und erträgt die Marke Katholische Kirche, um
sich ihre Existenz auch für die Zukunft in einer sich
verändernden Welt zu sichern. Man denke nur an den
deutlichen Rückgang auch der katholischen Kirchgänger
in Westeuropa. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben,
daß die überwiegende Mehrheit der Katholiken
in der, zum katholischen Konservatismus tendierenden Dritten
Welt lebt. Benedikt XVI. steht bislang für die, der
Marke selbstähnlichen (konservativen) Politik/Auslegung
dieser Frage und verteidigt diese Haltung gegen den Relativismus,
das "Gift der Moderne" (Le Figaro), also gegen
die Beliebigkeit, die jeder Mode folgt.
Eine Marke, die Haltung zeigt und an sich glaubt, strahlt
Stärke aus und trägt gleichzeitig die Schwäche
in sich, den Veränderungen nicht evolutionär,
erfolgreich folgen zu können.
|
|


|

|
|
|
 |
| |
Nicht entweder/oder, sondern einerseits/andererseits.

Markentechnik ist der fein austarierte
Weg zwischen Selbsttreue und Anpassung. Neben dieser grundsätzlichen
Notwendigkeit zur Evolution stellt sich an unsere alltäglichen,
meist ökonomischen Marken der, durch Massenmedien geprägten
Wirtschaftswelt noch eine weiterte Anforderung: Das starke
Neuigkeitenbedürfnis der Kunden. Darüber hinaus
profilieren gerade Technologieprodukte ihre Leistungsfähigkeit
über Innovationen, müssen sich also im besonderen
immer "neu" gerieren - auch wenn sie, wie jede Marke,
gleichzeitig der Kontinuität (Glaubwürdigkeit) verpflichtet
sind.
Für den möglichst langen und erfolgreichen Lebenszyklus
einer Marke (weltliche Marken sind nicht unsterblich!) ist
also das Erkennen und Pflegen der unveränderlichen Markenelemente
einerseits und der variablen, evolutionären Elemente
wichtig. Und weil das allein schon schwierig genug ist und
nur zu leicht vom Tagesgeschäft überlagert wird,
schreibt man es am besten in einer Marken-Bibel fest, oder
Brandbook, wie wir es bei FRIENDS OF BRANDS nennen.
Ihr Jesse Meyer-Arndt
von FRIENDS OF BRANDS
Wenn Sie lieber eFRIEND-Leser mir zu diesem Thema ein eMail
schreiben wollen, ich freue mich.
In der nächsten Ausgabe von eFRIEND lassen wir die
Kirche im Dorf und reden über das schon angekündigte
Thema:
Kommunikationsstrategien entwickeln, die auch realistische
Chancen haben, umgesetzt werden zu können.
|
|
|

|
|
|
|
Copyright:
Friends of Brands Advertising GmbH - Die Inhalte dieses
Magazins sind urheberrechtlich geschützt. Deren Veröffentlichung
oder Vervielfältigung (auch auszugsweise) außerhalb
der Grenzen des UrhG ist nicht erlaubt. Zitieren nur
unter ausdrücklicher und vollständiger Quellenangabe.
- Für die in eFRIEND gegebenen Hinweise und Informationen
übernimmt Friends of Brands Advertising GmbH keine
Gewähr.
|
|
|
|