 |
|
|
 |
 |
 |
 |
| |
Hallo,

nur wenige Wirtschaftsinvestitionen sind
so spekulativ, in ihrer Wirkung so wenig meßbar, wie
die Ausgaben für Werbung. Leider zeigt die Werbewirkungsforschung
da, wo sie zur Risikominimierung wirklich hilfreich sein könnte,
massive Schwächen.
Diese eFRIEND-Ausgabe interessiert sich für die Schwächen
der Tests und zeigt auf wo und warum sie überfordert
sind. Außerdem geht es noch kurz um das schöne
neue Thema Neuromarketing und seine Möglichkeiten dem
Verbraucher in´s Gehirn zu schauen.
DIE NACHTEILE DER WERBEWIRKUNGSFORSCHUNG.

An der Auswahl von Test-Designs gibt es
keinen Mangel. Dazu gehören in erster Linie die allseits
beliebten Focus-Groups, in denen Vertreter der Zielgruppe
scheinbar unbefangen ihre Meinung äußern. Schon
etwas aufwändiger sind Einzelinterviews mit offenen Antworten
oder auch verdeckte Befragungen in denen beispielsweise eine
Anzeige unerkannt im redaktionellen Umfeld platziert wird,
um so unverfälschtere Käuferreaktionen zu gewinnen.
Über diese Standard Test-Designs hinaus gibt es z.B.
Blickverlaufsmessungen oder Stachistoskoptests mit sekundenbruchteilkurzer
Werbemittelbetrachtung zur Messung der Aufnahmefähigkeit.
Die analytische Raffinesse dieser und ähnlicher Tests
hat sich über die letzten zwei Jahrzehnte - siehe Assoziationstests
weiter unten - nur unwesentlich verfeinert. Die entscheidende
Frage, die allerdings allen Pretests auch heute noch zugrunde
liegt, lautet: Ist die Werbung so gestaltet, daß der
Kunde kauft?
 |
|
|
 |
| Die
Aufzeichnung der Blickbewegung (eye tracking) ist ein
seltenes Beispiel für eine Werbemittelforschung die
auf das Unterbewußtsein abzielt. |
 |
Was
die Mafo verschweigt.

Die am Marktforschungsgeschäft Beteiligten,
vornehmlich die ausführenden Marktforschungsinstitute
aber auch die beauftragende Industrie gleichen Schiffbrüchigen,
die - in Ermangelung besserer Alternativen - über die
zweifelhafte Seetüchtigkeit ihres Bretterfloßes
hinwegsehen. Denn es ist keineswegs so, daß die Werbewirkungsforschung
über uns ein Füllhorn der Erkenntnis ausschüttet
und Werbeleute fortan wissen, was zu tun und zu lassen ist.
Tatsächlich gibt es reichlich Spielraum für Interpretation
und Mutmaßung. So manche vermeintlich erfolgreich getestete
Werbung flopt im Markt, andererseits ist nicht-getestete Werbung
keineswegs zwangsläufig erfolglos.
Warum
kaufen Käufer zwar dies, aber jenes nicht?

Die Wahl zwischen verschiedenen Marken
oder der Entscheidung zwischen, sagen wir einem neuen Auto
oder einem Skiurlaub sind Entscheidungen des Unterbewußtseins.
Diese Entscheidung wird im Stammhirn, genauer im limbischen
System des Gehirns getroffen und im Nachhinein von unserem
Bewußtsein kognitiv gerechtfertigt. Mit dieser Rationalisierung
leben wir Konsumenten seit Jahr und Tag: Die 180 PS meines
neuen BMW sind ok, weil sie einen "Familienkombi",
ausgerüstet mit Dieselmotor und Rußfilter antreiben.
Wir würden unglücklich, würde uns der tagtägliche
Widerspruch zwischen unbewußter Entscheidung und "aufgeklärter"
kognitiver Erkenntnis bewußt werden.
Das Problem für die Werbewirkungsforschung ist nun,
daß die von ihr angewendeten Tests mit derjenigen
Abteilung im Konsumentengehirn "sprechen", die
nicht die Entscheidung trifft. Mit der eigentlichen Entscheidungsebene,
dem limbischen System können Verbrauchertests nicht
direkt kommunizieren. Die Befragung des Bewußtseins
ist die Befragung eines Ahnungslosen. Sie gleicht dem Versuch,
von Land aus die Fische unter der spiegelnden Wasseroberfläche
zu zählen. Wie soll ein Proband die eigentliche Frage
nach der werblichen Richtigkeit eines TV-Spots beantworten,
wenn ihm seine Kaufmotive gar nicht bewußt sind, bzw.
gar nicht danach gefragt wird. Seine eigentlichen Kaufmotive
sind z.B. Dominanz, genetisch disponierte Brutpflege, Sicherheit,
persönliche Sozialisation, der individuelle Testosteronspiegel
etc. Und diese Motive kann man in den üblichen Verbrauchertests
konkreter Werbung heutzutage noch nicht erheben.
Stop - soviel Fairness muß sein...

Klassische Werbekonzeptforschung hat manchmal durchaus ihren
Nutzen. Und zwar dann, wenn es um Fragen geht wie: Welche
Marke macht diese Werbung? Kennen Sie diese Marke? Was soll
die Anzeige aussagen? Erinnern Sie diesen Werbespot (bewußt)?
- oder ähnlich funktionales. Diese Werbemitteltests
funktionieren. Das gleiche gilt für moralische Aspekte
wie z.B.: Empfinden Sie persönlich die gezeigte Darstellung
als unsittlich? Denn diese Fragen können deshalb vom
Bewußtsein beantwortet werden, weil man sich der Sache
bewußt ist.
Allerdings will sich die werbungtreibende Industrie verständlicherweise
mit diesem kleinen Einmaleins der Werbewirkung nicht zufriedengeben.
Man versucht deshalb gewissermaßen über Bande
mehr über das Unbewußte zu erfahren. Z.B. mittels
indirekte Befragungen, oder über die Methode der freien
Assoziation, oder auch über Vergleiche, wie beispielsweise
"mit welcher Automarke würden Sie den Hörgerätehersteller
XY vergleichen?". Aber wirklich weit reicht man damit
nicht. Deshalb beginnt die eigentliche Kritik dieser eFRIEND-Ausgabe
dort, wo der interessante Teil der Pretests beginnt.
|
|


|

|
|
 |
 |
| |
Die
eigentliche Frage, die Pretests beantworten sollten, müßten
lautet:

Ist diese Werbung in ihren Bildern, Worten und Klängen
und in dem, was die Handlung erzählt so gestaltet,
daß in den Gehirnen der Zielgruppe Handlungsdeterminationen
so beeinflußt werden, daß früher oder später
entsprechende (Kauf-)Reaktionen folgen. Und dieser Schritt
zwischen Werbegestaltung und neuronaler Wirkung ist der
große weiße Fleck auf der Landkarte der Werbewirkungsforschung.
Womit wir beim neuen, populäre Thema Neuromarketing
angelangt wären.
Was
ist Neuromarketing, was kann es, was kann es nicht?

Mit der Entwicklung von bildgebenden Verfahren in der Neurologie
der 90er Jahren begann eine neue Ära der Werbewirkungsforschung.
Legt man den Kopf eines Probanden unter einen funktionellen
Magnetresonanztomographen und zeigt ihm das Bild eines Sportwagens,
dann wird auf einem Monitor sichtbar, wie sich der Bereich
des präfrontalen Kortex seines Gehirns aktiviert - bzw.
bei hoher Bekanntheit der Marke sogar deaktiviert. Wenn man
weiß, wofür dieser Bereich des Gehirns vorgesehen
ist und wenn diese Hirnaktivität sich bei Vergleichsbildern
nicht verändert, kann man daraus gewisse Schlüsse
ziehen. Allerdings: Ganz gleich, ob man entweder den erhöhten
Sauerstoffverbrauch oder eine verstärkte elektrische
Aktivität mißt, ist man heute noch nicht soweit,
daß der verkäuferische Unterschied zwischen zwei
alternativen Werbekonzepten erkannt werden kann. Und das wäre
die bahnbrechende Tat! - Bis es soweit ist, verlassen wir
uns auf den gesunden Menschenverstand, was nicht das schlechteste
ist, auch im Jahr 2006.

Ihr Jesse Meyer-Arndt
von FRIENDS OF BRANDS
Thema der nächsten Ausgabe von eFRIEND:
Gute, richtige und emotional wirksame Werbetexte speziell
für B2B-Unternehmen.
|
|
|

|
|
|
|
Copyright:
FRIENDS OF BRANDS Advertising GmbH - Die Inhalte dieses
Magazins sind urheberrechtlich geschützt. Deren Veröffentlichung
oder Vervielfältigung (auch auszugsweise) außerhalb
der Grenzen des UrhG ist nicht erlaubt. Zitieren nur
unter ausdrücklicher und vollständiger Quellenangabe.
- Für die in eFRIEND gegebenen Hinweise und Informationen
übernimmt FRIENDS OF BRANDS Advertising GmbH keine
Gewähr.
|
|
|
|