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Hallo,

haben Sie gelegentlich auch diesen Eindruck
beim Lesen von Werbetexten für erklärungsbedürftige
Technologie: Die komplexe Materie und fehlendes Texttalent
führen zu trockenen, verfilzten, für Nichtfachleute
schwer verständlichen und für Fachleute wenig attraktiven
Sachtexten.
GUTE, FACHLICH RICHTIGE UND VERKÄUFERISCH WIRKSAME
WERBETEXTE SPEZIELL FÜR TECHNISCHE B2B-UNTERNEHMEN.

Die heutige eFRIEND-Ausgabe versteht sich
nur am Rande als Stil-Ratgeber (schreibe kurz, anschaulich,
konkret, einfach usw.). Hauptsächlich geht es uns heute
um die Spannung zwischen verkäuferischer Textattraktivität
einerseits und informierendem Produktbericht andererseits
- beides mit dem Ziel die B2B-Unternehmensmarke zu stärken.
Und immer geht es um spezielle Märkte mit speziellen
Kaufprozessen; mit oft länger dauernden Kaufentscheidungen,
meistens hohen Kaufpreisen und um lange Kundenbeziehungen.
Dennoch, trotz der angeblich alles entscheidenden Produktfakten,
wünscht sich jedes B2B-Technologieunternehmen nichts
sehnlicher als Mr. Dipl.-Ing. Verkaufstalent!
Was ist die eigentliche Aufgabe von B2B-Werbetexten?

Letztendlich reden wir über die Bildung
von Markenwert. Alles andere wie z.B. Faktenvermittlung und
werbliche Ausschmückung sind "nur" mittelbare
Maßnahmen zur Erreichung des Ziels. Denn nur mit Markenwert
verdienen Unternehmen Geld. Und zwar zum einen deshalb, weil
Marke durch Vertrauensbildung das B2B-Kaufrisiko minimiert
- und das ist entscheidend bei komplexen, teuren Produkten,
deren Fehlkauf die Karriere beschädigen kann. Zum anderen
ist es der Respekt vor einer Marke, der sie begehrlich macht.
Es geht also um VERTRAUEN und RESPEKT.
Welche
Konsequenzen haben technischen Inhalte für den werbenden
Text?

Das Besondere an Technologie ist die
permanente Innovation. Was Technologie in B2B-Märkten
außerdem von Produkten wie Schokolade oder Strandurlaub
unterscheidet, ist ihre oft enorme Informationsfülle.
Darüber hinaus dient Technologie in aller Regel praktischen,
nützlichen Zwecken. Es liegt also nahe, über diese
Produkte oder technischen Dienstleistungen rein informierend
zu schreiben. Immerhin reißt der Strom neuer Fakten
nie ab.
Das Problem dabei...

Der Mensch handelt nicht vernünftig abwägend.
Es bereitet ihm schon Schwierigkeiten nur zwei Variable
zu einer Gesamtbewertung zusammenzuführen. Wie soll
er da die Kaufentscheidung zwischen drei Druckmaschinen
mit jeweils einem guten Dutzend Variablen treffen. Das Datenblatt
bietet keine Rettung! Der Mensch sucht deshalb unbewußt
Signale der Kaufsicherheit. Deshalb ist unsere heutige Frage:
Wie müssen Texte für komplexe Technologie in B2B-Märkten
geschrieben werden, damit sie diese Kaufsicherheit geben?
Soviel sei vorab gesagt: Diese Texte sollten im Sinne der
Markenbildung unmerklich beeinflussen; so subtil, daß
es dem lesenden Kunden nicht auffällt.
Also...

Markenwirksam manipulierende Texte
behandeln in frischer Offenheit das jeweilige Thema, unterfüttern
diese "rationale" Sachkommunikation aber subtil
mit dem kaufentscheidenden unbewußten Handlungsmotiv
der Zielgruppe. Natürlich wird immer die "Fahne
der Information" hochgehalten, also die Illusion
der rationalen Information gewahrt. Informierende, für
den Leser anscheinend nützliche Produktfakten dienen
dabei dem Kunden lediglich zur Rationalisierung seiner
eigenen, ihm unbewußten Kaufentscheidung. Der Leser
lernt Fakten und merkt gar nicht, welches Vertrauen er
gewinnt und wie sein Respekt vor der Marke zunimmt.
Zuerst:
Wie erzielt der B2B-Text VERTRAUEN?

Sogar Texte, die sich an technischen
Informationen und Leistungsbeschreibungen entlanghangeln,
stehen - weil sie Werbetexte sind - immer im Verdacht
der Täuschung. Man sollte diesem berechtigten Argwohn
deshalb tunlichst die Nahrung entziehen und vollmundige,
durchsichtige Versprechen vermeiden. Also nichts von
der Art "...hier hat die Technik die Zukunft überholt".
Apropos Vertrauen: EUR 1.998,- verkauft gut, bildet
aber kein Vertrauen. Beim Preisschild EUR 2.000,- ist
es andersherum.
Zu viele Informationen verunsichern den Leser. Zügeln
Sie also Ihren Leistungsstolz und reduzieren Sie komplexe
Informationen auf das Merkfähige und Wesentliche.
Mehr als 5 Aspekte können Menschen sich schlecht
merken. Ersetzen Sie häufiger mal die unglaubwürdige
eigene Meinung aus durch fremde, objektiv wirkende Aussagen.
Zitieren Sie beispielsweise positive Fachartikel, so
es der Zusammenhang erlaubt. Den Eindruck fachlicher
Kompetenz fördert man übrigens nicht durch
komplizierten, langen Satzbau und durch reichlichen
Gebrauch von Fremdwörtern. Kurze, einfache Sätze
wirken kompetenter - wie kürzlich wissenschaftlich
verifiziert (besser: bestätigt) wurde. Aber nicht
zu kurz! Unlängst titelte Die Welt: "Rente
mit 67 soll früher kommen".
Nicht unerwähnt bleiben sollte ein simples Mittel
zur Steigerung der Glaubwürdigkeit: Selbstkritik.
Ein Unternehmen das in seinem Werbetext verkündet,
es biete den Produktbereich XY nicht an, weil es dieses
Thema nicht 100-prozentig beherrscht, steigert die Glaubwürdigkeit
seiner Aussagen zu den angebotenen Produktbereichen.
- Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen Testbericht
der Stiftung Warentest. Diese Aufnahmebereitwilligkeit
ist Gold wert.
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Gift für das VERTRAUEN des Lesers:

Folgende Beispiele für selbstverschuldete
Schädigung des Leservertrauens fand ich in zwei Unternehmensprospekten
schon nach kurzer Suche: "Rund
um die rein technische Dimension unserer Lösungen hat
XY ein Dienstleistungsangebot generiert, das Ihnen sukzessive
die Möglichkeit bietet, mit uns Ihre Kommunikation zu
einem effektiven Instrument für Ihren Erfolg zu gestalten."
Wie soll man Vertrauen haben zu einem Unternehmen das so schwafelt!
Die Alternative dazu: Neben
den rein technischen Produkten haben wir verschiedene nützliche
Dienstleistungen entwickelt. So verbessern wir Schritt für
Schritt mit Technologie und Ideen Ihre Unternehmenskommunikation.
Alles mit dem Ziel Ihren Geschäftserfolg spürbar
zu steigern. Anderes Negativbeispiel: "Alle
Ersatzteile, die wir vertreiben, orientieren sich an den Qualitätsstandards
der Originalhersteller. Dies gilt gleichermaßen für
Ersatzteile, die von Lizenznehmern hergestellt werden, wie
für die von uns in Anlehnung an Originalersatzteile auf
spezielle Kundenwünsche gefertigten Teile."
Wohlgemerkt, es geht hier um Dieselmotoren-Ersatzteile für
riesige Containerschiffe die zuverlässig die Weltmeere
befahren sollen.
Jetzt: Wie erreicht der B2B-Text den
RESPEKT seines Lesers?

Wir alle spüren tagtäglich, ob wir einen Text, den
wir lesen, respektieren - oder, falls nicht, einfach nicht
weiterlesen. Deshalb: Respekt verschafft sich ein werblicher
B2B-Produkttext, indem er unter anderem die richtigen Fachbegriffe
aus der Praxis enthält. Immerhin wird er mehrheitlich
von durchaus informierten Fachleuten gelesen. Deshalb sollte
der Text wirken, wie von einem sprachlich versierten "Ingenieur"
der Firma geschrieben - nicht wie von einem Werbetexter. Ein
Schreibstil allerdings, dem man die leidenschaftliche Überzeugung
von der eigenen Unternehmensleistung anmerkt, wird auch vom
Fachleser honoriert.
Achten Sie nicht nur auf eine muttersprachliche, sondern auch
auf eine branchenkompetente Sprachadaption. Man kann dabei
sehr wohl den Sprachstil der Branche treffen, ohne in technokratische
Satzmonster zu verfallen. Ganz wichtig: ein B2B-Text trifft
auf mehr Respekt beim Leser wenn er neue, interessante Gedanken
und Informationen enthält. Informierte Fachleute wollen
ihre kostbare Zeit nicht mit Fachbinsen verschwenden. Das
heißt natürlich nicht, daß man über
vertrauliche Unternehmensinformationen plaudert. Es gibt immer
neue Produkttrends und Branchenvisionen mit denen man dem
eigenen Text die Frische des Neuen verleiht. Fragen Sie sich
selbst, ob jeder Satz es wirklich wert ist gedruckt zu werden!
Der Lesefreude immer förderlich sind anschauliche Beispiele
statt abstrakter Theorien. Neulich erzähle ein Kunde
einem unserer Außendienstleute folgendes.... - sogar
relevante "Kurzgeschichten" sind möglich. Man
schreibe im scheinbar objektiven Stil eines Fachjournalisten,
der das Produkt unter seinen kritischen Augen dennoch gut
abschneiden läßt. Er schmückt dabei den Text
werblich nur unmerklich aus; gerade soweit, daß die
Textsouveränität gewahrt bleibt.
Gift für den RESPEKT des Lesers:

Hier das kurze Beispiel aus einem Unternehmensprospekt
einer B2B-Technologiefirma: "Ein
enger Kundenkontakt basierend auf ausgereiftem Know-how
und hoher Servicequalität ist die Devise, nach der
wir seit Jahre arbeiten. Der internationale Markt und das
uns von unseren Kunden entgegengebrachte Vertrauen bestätigt
diese Philosophie." Ist solches Geschreibsel
geeignet den nötigen Respekt gegenüber diesem
Unternehmen zu
entwickeln? Meine direkte Alternative dazu:
Auch unsere ausländischen Kunden
schätzen schon seit Jahren den direkten Draht zu unserem
Teams. Dabei geht es ihnen keineswegs nur um das profunde
Fachwissen unserer technischen Berater. Es ist die kompromisslos
positive Einstellung zum Service. Das zusammen beschreibt
wohl am besten unser Geschäftsverständnis in dieser
logistisch und technologisch anspruchsvollen Branche.
Bessere Texte bedeuten bessere Produkte.

Wenn Friedrich Nietzsche sagte "Den Stil verbessern
- das heißt den Gedanken verbessern und nichts weiter",
dann färbt umgekehrt eben auch schlechter Stil entsprechend
negativ auf die Produkte des Absenders ab. Welches Technologieunternehmen
kann es sich im heutigen Wettbewerb leisten, seine oft sehr
aufwändigen Verkaufsanstrengungen durch respekt- und
vertrauensschädigende Werbetexte zu untergraben? Verglichen
mit der Zeit, der persönlichen Energie und dem Geld
das in den Aufbau einer Marke, in die Kundengewinnung und
in das Halten des Kunden investiert wird, ist der Aufwand
eines guten Textes gering .
Vorsicht! Verschlimmbesserung durch
übereifrige Fachkollegen.

Es ist gängige Praxis werbliche B2B-Techniktexte von
den "Dipl.-Fachleuten" des Hauses gegenlesen zu
lassen. Das ist gut so wenn es um eine inhaltliche, fachliche
Korrektur geht - und um die Wahl der richtigen Fachausdrücke.
Aber ignorieren Sie hartnäckig alle stilistischen "Verbesserungen".
Erhalten Sie die Saftigkeit, die attraktive Frische eines
populärwissenschaftlichen Stils. Schreiben Sie für
den Leser, Ihren Kunden! Zur Veranschaulichung hier ein
besonders saftiges Beispiel aus SPIEGEL ONLINE zum Lamborghini
Gallardo Spyder "...Lässt man dann die Gänge
unter vernehmlichen Klicken durch die offene Metallkulisse
flutschen, presst es einen heftig in die engen Sitze und
die Autos im Innenspiegel fahren plötzlich rückwärts."
Bedenken Sie bei aller notwendigen seriösen Ansprache:
Der Leser bekommt sowieso immer nur die Hälfte von
allem mit; auch von der Frische, dem Schwung und der Leichtigkeit
des Stils.
Wer also nur halb so leidenschaftlich über Technologie
in B2B-Märkten schreibt wie beim Lamborghini-Beispiel
zu lesen, wird die Begeisterung bei seinen lesenden Kunden
nicht verfehlen. Denn MUST HAVE hat neben VERTRAUEN und RESPEKT
dem B2B-Kauf noch nie geschadet. In diesem Sinne

Ihr Jesse Meyer-Arndt
von FRIENDS OF BRANDS
Thema der nächsten Ausgabe von eFRIEND:
Verkauft Sex? - Und wenn ja, worauf kommt es dabei an?
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