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Hallo,

der Grund für die heutige, reichlich
kryptische Betreffzeile liegt in der gesteigerten Sensibilität
der SPAM-Filter vor allem dann, wenn darin das Wort "Sex"
vorkommt. Auch beim eigentlichen eFRIEND-Text sind wir gut
beraten mit diesem Wort sparsam umzugehen. Wenn
wir also im folgenden ersatzweise von "ES" sprechen,
hat das weniger mit dem Schamgefühl des Autors zu tun,
als mit der Befürchtung, diese eFRIEND könnte Sie
nicht erreichen. Einmal allerdings sollte das heutige
Thema klar genannt werden...
VERKAUFT SEX? - UND WENN JA, WORAUF KOMMT ES DABEI AN?

It's all about ES! Nüchtern betrachtet
ist der eigentliche Sinn und Zweck unseres Lebens die Optimierung
unserer jeweiligen Gene. Deshalb ist dieses Thema für
alle Menschen im zeugungsfähigen Alter auch so interessant
um nicht zu sagen wichtig! Da ist es nur konsequent, wenn
uns bewußt und unbewußt alles auffällt, was
damit zusammenhängt - auch in der Werbung!
Diese eFRIEND konzentriert sich auf die zwei für das
Thema wichtigen Fragen: Was passiert bei der Verhaltenssteuerung
des Betrachters, wenn Werbung ES einsetzt? Und in welchen
Fällen verkauft ES, in welchen nicht?
ES
ist mehr als pädagogisch wirksam.

Grundsätzlich
können Menschen Informationen besser aufnehmen, wenn
die Botschaft in ein "Klima" positiver Emotionen
gebettet ist. Und besonders positiv reagiert z.B. das männliche
Gehirn wenn ein Produkt X gehalten wird von den schlanken,
ebenmäßigen Händen einer jungen, mit allem
weiblichen Reizen versehenen Frau. Der Chemie sei Dank: Eine
erotische Darstellung des anderen Geschlechts führt zur
positiv stimulierenden Dopaminausschüttung beim Betrachter/in.
Diese unbewußt gesteuerte Reaktion ist angeboren, was
eine ungleich höhere Wirkung hat, als die übliche
pädagogische Handlungsanweisung gängiger Werbung,
die ihre Wirkung der umworbenen Kundschaft erst antrainieren
muß. In Anbetracht der viele Millionen Jahre langen
Erfolgsgeschichte geschlechtlicher Fortpflanzung müßte
die Frage dieser eFRIEND eigentlich lauten: Gibt es überhaupt
noch etwas, das eine so starke, die Kommunikation manipulierende
Wirkung hat wie ES? Und tatsächlich erleben wir tagtäglich
entsprechende Anspielungen in der Konsumentenwerbung. Aber
eignet ES sich auch für die werbliche Kommunikation in
B2B-Märkten? Welches Produkt, welches Thema und welches
Unternehmen kann ES überhaupt einsetzten für die
Werbung?

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Wo
fängt ES an, wie weit geht ES. - Quelle: König
Pilsener |
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ES, ein starker konditionierender Reiz.

Für die klassische Konditionierung
eines neutralen Reizes (Produktabbildung) durch einen positiv
konditionierenden, manipulierenden Reiz (Darstellung von
ES) ist zeitliche bzw. räumliche Nähe Vorraussetzung.
Idealerweise sieht der Betrachter oder die Betrachterin
also kurz vor der Produkt-Message und oder in räumlichem
Zusammenhang die attraktive weibliche bzw. männliche
Abbildung. Das kann im ersten Fall der lasziven Blick rehbrauner
Augen sein oder die etwas zu offenherzige Bluse bis hin
zu kaum verhüllten Rundungen. Das funktioniert wie
beim berühmten Pawlowschen Hund, dem nach (allerdings
antrainierter) Konditionierung mit dem Glöckchen in
Erwartung des Futters das Maul schon beim Glöckchenklang
nur so troff - man verzeihe den Vergleich. Die Konditionierung
mittels ES würde sogar bei der Werbung für eine
Buchhaltung-Software funktionieren, wenn unsere Vernunft/Kognition
nicht möglicherweise widerspräche. Und Kognition,
also unser aktives Bewußtsein hat in manchen Fällen
ein Vetorecht gegenüber der, schon vorab unterbewußt
getroffenen sogenannten emotionalen Entscheidung. Also,
ja ES funktioniert, - aber nicht in jedem Fall.
Wir sollten unterscheiden zwischen
Kommunikation zu privaten Konsumenten und der Werbung
in B2B-Märkten.

Immerhin ist auffällig, daß die Werbung für
Consumer Lifestyle-Marken ES offensiver einsetzt als Investitionsgüter
oder Dienstleistungen in B2B-Märkten dies tun. Natürlich,
wird man sagen, B2B-Geschäfte sind eine vergleichsweise
ernsthafte Sache und da verbietet ES sich von selbst. Richtig
ist, in der Verkaufsliteratur von Kraftwerkturbinen ist
keine Spur von ES zu finden, in der Werbung für Softdrinks
oder Aftershave dagegen durchaus. Das Muster ist offensichtlich:
Je preiswerter, je konsumorientierter, je lifestyliger,
je lustiger, je körperrelevanter ein Produkt oder eine
Dienstleistung ist, desto eher setzt die Werbung ES ein.
Alle diese Attribute erfüllen Angebote in B2B-Märkten
üblicherweise nicht. Da die Wirkung prinzipiell unstrittig
ist, hängt die Verwendung davon ab, ob der bewußte
Betrachter ES für die Bewerbung dieses Produkts akzeptiert
oder eben nicht. Je relevanter und kognitiv nachvollziehbarer
ES in Bezug auf das beworbene Produkt ist, um so besser
funktioniert der Einsatz zu Werbezwecken.
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Könnte
ES in der B2B-Werbung den Verkauf steigern?
Nur
weil man üblicherweise in der Investitionsgüterindustrie
auf erotisch orientierte Abbildungen verzichtet, muß
das nicht heißen, daß ES in B2B-Märkten
nicht verkauft. Vielleicht ist es einfach nur business political
correct auf ES in der B2B-Kommunikation zu verzichten. Und
in der Tat würden wir erotische Darstellungen, die
uns in einer Eiscreme-Werbung mehr als akzeptabel erscheinen,
im Prospekt einer Maschinenbaufirma als unpassend empfinden.
Eindeutige
no-no-Fälle für ES in der Werbung:
- Ein Hersteller von Atomkraftwerken
- Ein weltweit vertretenes Wirtschaftprüfungsunternehmen
- Ein Hersteller von Herzklappen
- Die UNO
Bei
folgenden Werbungtreibenden kann man sich den moderaten
Einsatz von ES als Verkaufshilfe allerdings schon eher
vorstellen:
- Einer Leasingfirma für Geschäftswagen
- Der Tiroler Fremdenverkehrsverband
- Einem Hersteller von Sportbooten
Oder
denken Sie nur an den Reifenhersteller Pirelli mit seinem
legendären Fotokalender.
Zusammenfassend läßt sich sagen, wir alle haben
ein feines Gespür dafür entwickelt, wann ES
als Werbeblickfang unpassend ist. Zuwiderhandlungen werden
im übrigen von der umworbenen Kundschaft entlarvt
und mit Ablehnung bestraft. Allerdings, die Hemmschwelle
sinkt.
Letztendlich läßt sich die Antwort auf die
Frage, ob ES verkauft, herunterbrechen auf einen Wettbewerb
zwischen der starken Wirkung unterbewußter Lernverstärkung
durch positive Konditionierung und der Manipulation des
Hormonmix einerseits und andererseits der Moral und dem
möglichen kognitiven Widerspruch. Dieser Handlungs-Zielkonflikt
veranschaulicht im übrigen sehr deutlich wie stark
zum einen unser Bewußtsein und zum anderen auch
unbewußte Motive Einfluß auf unsere Kaufhandlungen
haben können.

Ihr Jesse Meyer-Arndt
von FRIENDS OF BRANDS

Die nächste Ausgabe von eFRIEND werden wir auf
ES leider gänzlich verzichten müssen:
Merkwürdige Ungereimtheiten im Marken- und Produktalltag
- Marken die sich verzetteln und Produkte die so tun wie
Marke.
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